Biografisches 1972–1981 Biografisches 1991–Heute

Nachdem Schumacher bereits jahrelang die unumstrittene Nummer Eins im deutschen Tor war, schlug die Stimmung während der Weltmeisterschaft 1982 durch sein folgenschweres Foul an dem französischen Spieler Patrick Battiston plötzlich um. Obwohl er die deutsche Mannschaft im selben Spiel durch zwei gehaltene Elfmeter ins WM-Finale führte und sich mit Battiston versöhnte, geriet der Vorfall zum Medienspektakel und zum internationalen Skandal. Schumacher über das damals folgende Länderspiel in Straßburg: „Ich hing als Puppe am Galgen. Man warf mit Kartoffeln, Äpfeln und Tomaten nach mir. … Hätte ich nicht gelernt aus Hass das Positive zu ziehen, ich hätte nie wieder spielen können.“

So spielte er weiter, wurde 1982 und 1984 zum Fußballer des Jahres gewählt, Pop-Art Ikone Andy Warhol portraitierte ihn. Zwei Jahre nach dem Skandal war Schumacher auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt,

Im Februar 1987 veröffentlichte er als Zwischenbilanz seiner Karriere sein erstes Buch: „Anpfiff. Enthüllungen über den deutschen Fußball“, das zum erfolgreichsten Sportbuch avancierte. „Anpfiff" erreichte "Konsaliksche Dimensionen“ (Magazin „Sports“), wurde rund 1,6 Millionen Mal verkauft, in 16 Sprachen übersetzt und zog ein weltweites Medienecho nach sich. Doch das „Fußball-Deutschland“ war damals noch nicht bereit für unangenehme Wahrheiten einerseits und eine ehrliche Bestandsaufnahme des Profifußballs andererseits. Er verlor sowohl beim 1. FC Köln als auch bei der deutschen Nationalmannschaft seinen Posten im Tor.

Schon im Sommer 1987 fand er beim FC Schalke eine neue sportliche Heimat, anschließend wechselte er zu Fenerbahce Istanbul in die Türkei, wo er ein neues Kapitel seines Lebens und seiner Karriere begann. Er lernte schnell türkisch, avancierte einmal mehr zum Kapitän seiner Mannschaft und führte seinen neuen Club Fenerbahce, der zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren keinen Titel gewonnen hatte, auf Anhieb zur türkischen Meisterschaft. Mit seiner extrovertierten und offenen Art gewann er schnell die Herzen der Türken, wurde dort zum „Fußballer des Jahres“ gewählt. Mit zwei Benefizspielen gegen Atletico Madrid und den FC Bayern München verabschiedete sich Schumacher 1991 aus der Türkei. Einen großen Teil des Erlöses beider Spiele spendete er für den Bau eines SOS Kinderdorfes in Bolluca bei Istanbul.

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