Biografisches 1991–Heute Biografisches 1982–1991

Er zählt zu den weltbesten Torhütern aller Zeiten. Seine erfolgreiche und bewegte Karriere macht ihn zu einer der schillerndsten Figuren des deutschen Fußballs. In die Wiege gelegt wurde ihm seine Karriere nicht. Aber er lernte früh, hart zu arbeiten.

Toni Schumacher, eigentlich Harald Anton Schumacher, wurde am am 6. März 1954 in Düren geboren. Es waren einfache aber geordnete Verhältnisse, die ihn und seine zwei Jahre jüngere Schwester prägten: Ordnung, Fleiß und Disziplin spielten von Beginn an eine große Rolle im Leben der Schumachers. Eigenschaften, die ihm halfen, sich in dem Sport durchzusetzen, den er sich im Alter von acht Jahren aussuchte. Damals nahm ihn ein Kumpel mit zum Fußball-Training von Schwarz-Weiss Düren. Eine große und ereignisreiche Karriere begann.

Die Position des Torwarts suchte Toni sich aus, weil sie ein paar Extras mit sich brachte, die ihm gefielen: Er musste weniger rennen als die anderen Spieler. Er durfte den Ball mit der Hand berühren. Und schließlich gefiel es ihm, ein anderes Trikot zu tragen. Der junge Dürener war erst 15 Jahre alt, als der 1. FC Köln an die Tür des Hauses Schumacher klopfte. Doch noch kam der Wechsel in die Nachwuchsabteilung des Bundesligisten nicht infrage. Tonis Mutter bestand darauf, dass ihr Sohn eine Lehre absolvierte. Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung zum Kupferschmied wechselte er 1972 schließlich zum 1. FC Köln, unterschrieb sofort nach Erhalt seines Gesellenbriefs einen Profivertrag bei den „Geißböcken“.

Rund 15 Jahre lang stand Toni als Stammtorwart des 1. FC Köln zwischen den Pfosten und feierte große Erfolge: 1977, 1978 und 1983 gewann er den DFB-Pokal, 1978 wurde er mit dem FC Deutscher Meister. Nachdem er 1979 sein Debüt in der Nationalelf gefeiert hatte, holte er 1980 in seinem erst siebten Länderspiel für Deutschland den Europameistertitel. Als einer der weltweit besten Torhüter der 1980er Jahre stand er sowohl 1982 als auch 1986 im Finale der Weltmeisterschaft. Bei der WM in Mexiko wurde er hinter Diego Armando Maradona zum zweitbesten Spieler des Turniers und zum besten Torhüter gewählt. Insgesamt bestritt Schumacher während seiner Karriere 76 Länderspiele, 74 Europapokalspiele, 464 Bundesligaspiele und 55 Partien im DFB-Pokal, für Fenerbahce Istanbul lief er 100 Mal in der türkischen Liga auf, wurde mit dem Verein aus dem asiatischen Teil der Stadt am Bosporus Meister und Pokalsieger.

Bekannt war Toni Schumacher für seine eisernen Nerven und sein außergewöhnliches Konzentrationsvermögen. Als einer der ersten Fußballspieler befasste er sich bereits in den frühen siebziger Jahren mit autogenem Training. Er beherrschte den Strafraum ebenso gut wie das Spiel auf der Linie, seine Abwürfe bis weit in die gegnerische Hälfte hinein waren jahrelang ein wichtiges taktisches Mittel im Offensivspiel des 1. FC Köln. Legendär ist bis heute seine Kaltblütigkeit beim Elfmeterschießen. Sowohl 1982 als auch 1986 sicherte er mit seinen Paraden in dieser Disziplin der deutschen Nationalmannschaft das Weiterkommen bei der WM. Bei diesen Duellen kam ihm sein ausgeprägtes Antizipationsvermögen zugute, ebenso seine akribisch geführten Statistiken über jeden Elfmeterschützen und seine positive Einstellung, die er einmal in einem Interview mit der Zeit beschrieb:

„Beim Elfmeter kann ich nur gewinnen. Die Angst hat der Schütze. Denn normalerweise ist jeder Elfer ein hundertprozentiges Tor. … Das Entscheidende geschieht vor dem Spiel. Ich führe Buch über jeden möglichen Schützen. Beispiel Augenthaler: „Rechter Fuß, halbhoch links. Das wird bis ins Kleinste zerlegt, ist in meinem Kopf schon drin. Wenn der Schiedsrichter dann Elfmeter pfeift, nehme ich den Schützen ins Visier, egal, wo er steht, egal, was er macht. Ich lasse ihn nicht aus den Augen. Er nimmt sich den Ball, geht zum Elfmeterpunkt, legt den Ball hin, dreht ihn zurecht und dann guckt er hoch und schaut einen Augenaufschlag lang in die Ecke, in die er schießen wird. Er kann nicht anders. Er hat es im Blut.“

Schumachers Berufsauffassung beschrieb der ehemalige Sportchef des Kölner Express, Uwe Hoffmann, einmal wie folgt: „100 Prozent Ehrgeiz. 100 Prozent Einsatz. 100 Prozent Wille. 99 Prozent wären für ihn gleich Null Prozent.“ Als Freund offener und klarer Worte ist Schumacher seit Beginn seiner Karriere beliebter und geschätzter Interviewpartner der Medien. Über seinen Umgang mit den Medien schrieb Hermann-Josef Weskamp, der damalige Sportchef der Kölnischen Rundschau: „Toni hat die Sportjournalisten stets als Partner im Unterhaltungsgeschäft behandelt“.

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